«Filipina Beauty»
by Lenny Bugayong & Cécile Bünter
Discaimer: This text is currently only available in German. You can read an automatically generated (albeit flawed) translation by Google.
Als die Deutsch-Filipina Pia Wurtzbach 2015 den Titel Binibining Pilipinas (BBP, zu Deutsch: “Fräulein Philippinen”) gewann und im Nachgang auch noch zur Miss Universe gekrönt wurde, fand ihr spektakulärer Sieg auch im deutschsprachigen Raum eine kurzzeitige Beachtung. Während das Medieninteresse im Heimatland ihres Vaters jedoch rasch wieder abflaute, wurde Wurtzbach auf den Philippinen nachhaltig zur nationalen Ikone. Ihre anhaltende Popularität auf den Philippinen veranschaulicht die dortige gesellschaftliche Bedeutung von Schönheitswettbewerben[1], wohingegen im deutschsprachigen Raum solche Wettbewerbe in den letzten anderthalb Jahrzehnten deutlich an Bedeutung verloren haben.
Die Wahl zur nächsten BBP wird auf den Philippinen bis heute landesweit medial gefeiert, kritische Stimmen sind hingegen selten, und die Gekrönten, welche sich im Wettbewerb um Werbedeals und die Entsendung an die internationalen Miss-Wahlen durchsetzen, gelten für manche sogar als Stolz der Nation. Frei von Kontroversen ist der Anlass trotzdem nicht. Während die aktuellen Kandidatinnen gemeinsam die Pride-Flagge schwenken, kursierten 2021 noch als homophob verstandene Aussagen von einzelnen Teilnehmerinnen, für die sich die Organisation später entschuldigte. Und gerade wird eine Debatte darüber geführt, ob und inwiefern Kandidat:innen mit gemischter ethnischer Herkunft, sog. «halfies», bei solchen Schönheitswettbewerben überhaupt mitmachen sollten. Dass darüber diskutiert wird, obwohl – oder gerade weil der Sieg von Chelsea Manalo zwei Jahre zuvor als erste Schwarze Filipina (und genau genommen ebenfalls «halfy») in die Geschichtsbücher ging, zeigt die vielschichtigen und ungelösten Komplexitäten im Zusammenhang mit Colorism und philippinischen Schönheitsidealen auf.
Die Kandidatinnen sind jedoch nicht nur mit ihrem Äusseren auf dem Prüfstand, es wird darauf bestanden, dass sich die Gewinnerinnen für einen guten Zweck einsetzen. Und das Abhorchen der Standpunkte, welche sie während des Q&A-Teils preisgeben, gilt als Volkssport. Die von der Araneta-Gruppe[2] geführte Organisation versteht sich gemäss eigener Web- und Facebook-Seiten als Ort des «Empowerments». Immerhin bricht BBP auf den ersten Blick mit der traditionellen Erwartung, eine Filipina habe ‘mayumi’ (also ‘sanftmütig’ oder ‘züchtig’) zu sein. Man könnte den Wettbewerb sogar als Teil der vielseitigen Emanzipationsbemühungen der Philippinen vom sprichwörtlichen Korsett des Katholizismus[3] verstehen. Und dass ein Sieg bei BBP eine soziale Aufstiegsmöglichkeit für die Teilnehmerinnen bedeuten kann, ist unbestritten.
Ein kritischer Blick verrät jedoch, dass das Publikum den Teilnehmerinnen nicht immer nur wohlwollend begegnet. Bevor der von Venus Raj im Q&A-Teil (2010) verwendete Ausdruck «major major» alltagstauglich wurde, hat man sie dafür zuerst belächelt. Und 2020 veröffentlichte Channel News Asia (CNA) eine Reportage über Teilnehmerinnen, die sich auf dem Weg zur Spitze an unmoralischen Angeboten vorbei manövrieren mussten. BBP scheint also in einem Spannungsfeld angesiedelt zu sein. Der Wettbewerb mag einzelnen Frauen Sichtbarkeit und eine Stimme geben oder neue Möglichkeiten eröffnen, jedoch nicht ohne sie vorher bewertet, normiert und in überholte Rollenbilder gepresst zu haben.
In wenigen Wochen findet nun die 62. Ausgabe von BBP, dem am längsten[4] bestehenden Schönheitswettbewerb der Philippinen, statt. Für uns Autorinnen dieses Texts ist das ein Anlass, um gemeinsam über das Dasein als philippinische Frau zu reflektieren. Was bedeutet es vor allem, in der hiesigen Gesellschaft eine philippinische Frau zu sein? Denn die genauere Betrachtung von Miss-Wahlen auf den Philippinen, ihrer historischen und gesellschaftlichen Bedeutung und wie sie damit philippinische Schönheitsideale prägen, verdeutlicht, dass unser Dasein auch vor diesem Hintergrund wahrgenommen und gemessen wird. In dieser Blogreihe setzen wir uns deshalb persönlich mit der Frage auseinander, wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung philippinischer und allgemein asiatischer Frauen auf unseren Alltag auswirkt.
Fussnoten:
[1] Der Essay von McRonald Banderlipe (2003) geht der Faszination auf die Spur, welche Filipinos für Schönheitswettbewerbe zu haben scheinen: https://pureportal.strath.ac.uk/en/publications/the-philippines-and-beauty-pageants/
[2] Der Konzern ist im Besitz der Familie Araneta, einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien auf den Philippinen.
[3] Die Journalistin und Historikerin Carmen Guerrero Nakpil soll die philippinische Kolonialgeschichte als «300 Jahre im Kloster gefolgt von 50 Jahren Hollywood» umrissen haben.
[4] Wie u.a. bei Banderlipe (2003, s. oben) nachzulesen ist, gab es solche Schönheitswettbewerbe bereits zu Zeiten des Carnivals, an der Wende zum 20. Jahrhundert.
Infos zum Bild (© L. Bugayong, 2026): links zu sehen ist Georgina Wilson, sie moderierte die dritte Staffel von Asia’s Next Top Model; rechts oben ein Foto vom Gemälde im “Sto. Niño Shrine and Heritage Museum” in Leyte, welches Imelda Marcos als Boticellis “(Geburt der) Venus” darstellt (das Gesicht ihres Ehemannes wird vom Vorhang verdeckt); rechts unten ein Bild aus einer Werbebroschüre, das eine Szene vom Sinulog Festival in Cebu abbildet.